Leichter gesagt als getan: Standheizung nachrüsten
This is my site verfasst von Maximilian Arnold am Freitag, 8. Oktober 2010

Über den kalten Winter hinweg festigte sich mein Wunsch nach einer Standheizung. Neue gibts ab 1000€ plus Einbau. Doch dieser neumodische Kram mit Fehlerspeicher und sonstiges, mit dem man andauernd in die Werkstatt muss, kommt mir nicht ins Auto. Original von Mercedes wurde damals eine Webasto DBW46 in die Dieselmodelle eingebaut. Eine solche war schnell gefunden, hier der Lieferumfang. Bei diesen Bildern sieht man auch gleich den Zustand der Heizung und des Kabelbaumes:

Nach wälzen etlicher Betriebsanleitungen, Wartungs- und Fehlerplänen, Schaltplänen sowie einholen mehrerer Ratschläge in einem Forum ging es weiter. Um die Funktion der Standheizung zunächst einmal zu prüfen, erstellte ich ein Versuchsaufbau: Die Standheizung wird über eine Bleibatterie mit Spannung versorgt, der Kühlkreislauf mit schläuchen in einem Eimer Wasser simuliert, die Dosierpumpe hängt an einem Reservekanister mit Diesel. Erste Versuche ergaben eine defekte Temperatursicherung. Die habe ich zzunächst mal kurzgeschloßen, um die Funktion weiter zu testen. Dann schließlich gab die Standheizung ihr erstes Fauchen von sich, und das Wasser began zu zirkulieren und warm zu werden. Doch zu früh gefreut, sie schaltete sich nach wenigen Minuten wieder ab, auch nach etlichen Versuchen.

Die Fehlersuche und Recherche ging von vorne los. Während dessen besorgte ich noch ein paar Ersatzteile von Webasto, und musste zugleich schmerzlich erfahren, das Webasto Ersatzteilpreise lang nicht so gutmütig wie Mercedes-Benz Preise sind. Eine Glühkerze, ein Ansaugschalldämpfer, eine Temperatursicherung, Sprit- und Abgasleitung, ein Brennervlies und schon war ein dreistelliger Betrag fällig.

Bei der Fehlersuche stand zunächst der Temperaturfühler im verdacht. Glücklicherweise fand ich eine Kennlinie des NTC´s und konnte ihn somit mit hilfe einer Widerstandsmessung im kochenden Wasser/anschließend Eiswasser als Fehlerquelle auschließen.

Somit konnte ich den Fehler eingrenzen, es war der sogenannte Flammwächter. Optisch gesehen ein unscheinbarer Metallstift, dessen Funktion es ist, dem Steuergerät der Standheizung mitzuteilen, ob die Flamme der Standheizung brennt oder nicht. Übermittelt er dem Steuergerät das die Flamme aus ist, schaltet die Spritzufuhr ab und die Standheizung geht aus. Interessant ist dabei seine Funktionsweise: Der Metallstift ragt in den Brennraum. Läuft die Standheizung, fängt das Ende des Stiftes an zu glühen, und dieses Glühen wird von einer Photozelle erkannt. Mit einem neuen Flammwächter lief die Standheizung nun wie sie soll.

So ist nun schon einiges an Geld, und noch viel mehr Zeit, in meine Standheizung geflossen, ohne das auch nur ein einziges Bauteil in der nähe meines Autos war.

Nachdem ich noch zwei fahrzeugspezifische Teile von Mercedes besorgt hatte (Halter für die Standheizung und der Halter für das Bedienelement), konnte der Einbau beginnen.

Der Kabelbaum, das Heizgerät, das Bedienelement und das Steuergerät waren schnell verbaut. Die Spritversorgung klemmte ich, entgegen der Anweisung (in Tanknähe), im Motorraum an den Vorfilter. Die Elektronik wurde über ein Relais noch an das Fahrzeuggebläse angeschloßen, so das der Innenraum ab einer bestimmten Kühlwassertemperatur mit aufgeheizt wird. Für den Anschluß an den Kühlkreislauf verwendete ich robuste Hydraulikleitungen.

Es war soweit: Die Standheizung war verbaut und tat ihren Dienst. Nach kurzer Zeit jedoch das nächste Problem: Sie fing an sehr stark zu Qualmen. Daraufhin zerlegte ich den Brennraum um diesen von Ruß zu befreien:

Leider war das Qualmen immer noch da. Ich erkannte den Grund für die Rauchentwicklung: Der Brennraum sowie der Auspuff waren nach wenigen Tagen mit Diesel vollgelaufen, ohne das die Standheizung in Betrieb war. Ich dachte zunächst das es daran lag, das ich die Spritleitung im Motorraum anzapfte, und nicht wie empfohlen in Tanknähe. Also montierte ich die Dosierpumpe an der Hinterachse, und montierte in Tanknähe in die Vorlaufleitung ein T-Stück. Auch dies bracht nicht den gewünschten Effekt, immer noch lief Sprit aus der Leitung in die Standheizung.

Beim Tanken fiel mir eines Tages auf das zeitweise ein Überdruck im Tank ist. Ich konnte mir vorstellen das dieser Überdruck die Absperrfunktion der Dosierpumpe überwindet und dadurch der Sprit nach vorne befördert wird. Also montierte ich ein neues Überdruckventil in die Tankentlüftung. Der Überdruck war verschwunden, das Problem blieb bestehen. Nun konnte nur noch ein Bauteil verantwortlich sein, die Dosierpumpe. Mit dem Einbau der Dosierpumpe und der anschließenden Reinigung der Standheizung und des Auspuffs ist das Problem seit dem verschwunden und die Standheizung verrichtet ihren Dienst.

Eine Sache gab es noch, die gemacht werden sollte: Was ist schon eine Standheizung ohne Fernbedienung? Leider sind die originalen Webasto Fernbedienungen sehr teuer. Ich bekam den Tipp, den freien Kanal meiner Funkfernbedienung dafür zu nutzen. Also bestellte ich ein einstellbares Zeitrelais, und montierte dieses zwischen den freien Kanal der Funkfernbedienung und dem Bedienelement der Standheizung. Somit habe ich nun eine Fernbedienung zum Kostenpunkt unter 20€!

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